Matthias Wyss: aus der Serie „Zyklus Tageslicht“, Bleistift auf Papier, 23 x 28 cm, 2012

Matthias Wyss

Am Zeichentisch lässt Matthias Wyss aus Fragmenten, Detailbildern, Andeutungen eine uferlose Bildwelt wachsen, die sich als vieldeutige Erzählung über das Mensch-Sein anbietet. Auf kleinformatigen Blättern erschafft der in Biel lebenden Künstler ein vieldeutiges und vielschichtiges Epos ohne Worte. Der obsessive Zeichner erzeugt in seinen meisterhaft ausge führten und atmosphärisch dichten Bildern eine beglückend-verwirrende Welt, die den Betrachter unwiderstehlich in ihre rätselvollen Tiefen zieht.

Betörende Leichtigkeit und abgründige Schwere liegen in der Bildwelt von Matthias Wyss nahe beieinander. Seine Figuren, stets ein wenig im Ungefähren bleibend, scheinen aus einer stürmisch bewegten Wolke von Elementen und Ereignissen aufzusteigen, mal euphorisch fliegend, mal sich wie in Qualen windend. In Wyss' Zeichnungen ist das menschliche Sein in all seinen Höhen und Tiefen eingefangen, in seinem steten Suchen und Drängen nach Erkenntnis, Glück, Veränderung. Matthias Wyss (*1985) zeigt in der Ausstellung des Aeschlimann Corti-Stipendiums 18 Blätter aus seiner aktuellen Zeichnungsserie mit dem Arbeitstitel „Tageslicht“. Seit 2011 arbeitet der Künstler an dem so umfangreichen wie faszinierenden Projekt, das aus mehr als 250 Bleistiftzeichnungen besteht. Kleinformatige Einzelblätter und Doppelbögen füllt Wyss mit meisterlich ausgeführten und atmosphärisch dichten Zeichnungen. Auf diesen Blättern öffnen sich wundersame Welten, reich an Figuren, reich an erzählerischen Momenten und an grossen Rätseln. Seine Zeichnungen erscheinen als ein phantastisch wirkender Strudel von Ereignissen und Emotionen, der den Betrachter unwiderstehlich mit sich zieht.

Ausschnitt aus «Ein Meister-Erzähler mit Hang zu Abwegen» von Alice Henkes (erschienen am 9. Mai 2013 in der Aeschlimann-Corti Zeitung)

www.matthiaswyss.com