CHRISTOPH HAERLE

Ei, Plexiglasbild
Ei, Plexiglasbild

Betonbild, 2019,
Betonbild, 2019,

Grosse Schale, 2010,
Grosse Schale, 2010,

Ei, Plexiglasbild
Ei, Plexiglasbild

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ÜBER

CHRISTOPH HAERLE

CHRISTOPH HAERLE


Eigentlich geht es dem Bildhauer und Architekten Christoph Haerle in seinem über 30-jährigen künstlerischen Schaffen immer um die Gewichtung.

Dem Begriff wohnen zwei Bedeutungen inne: Einerseits denkt man an Körper, Volumen, also Geometrisches; andererseits geht es um Bewertung, Einschätzung und subjektives Empfinden. Dieses Spannungsfeld zeichnet alle Arbeiten von Haerle aus, seien das nun die Plastiken, Rauminstallationen oder Nagellackbilder. Die strengen Linien und Formen seiner Werke haben weit weniger mit seinem technischen Können und Wissen, als vielmehr mit seinem Sinn für Schönheit und Sinnlichkeit zu tun.

Indem er voluminöse Skulpturen leicht erscheinen lässt, löst er im Betrachter eine spielerische Verunsicherung aus, die diesen involviert. So evozieren die Arbeiten, denen keine Narration eingeschrieben ist, ganz unterschiedliche Geschichten. Konkret lässt sich das an Haerles Beton-Skulpturen verfolgen: Indem er den Beton erst mit einer, dann mit zwei Farben mischte und ihn dann auch noch durch eine labile Position „entlastete“, dekontextualisierte er das Material zunehmend und öffnete damit einen Raum für Assoziationen.

 So auch bei der 2003 fertiggestellten Skulptur „Ganymeds Schwester“, die am General-Guisan-Quai in Zürich steht. Wer sich vom Arboretum herkommend allmählich der rosa Schale nähert, die aus der Ferne klein erscheint und aus der Nähe überragend ist und deren Farbe und Wasserschicht Leichtigkeit vortäuscht, während sie in Wirklichkeit 16 Tonnen wiegt, erahnt etwas von der Tiefgründigkeit von Haerles Arbeiten. Doch eigentlich geht es ihm um Berührung, so wie ihn selber eine streng komponierte Fuge von Bach berührt. Wie jener mit einem System von Tönen die Schöpfung einfing, kreiert Haerle aus geometrischen Körpern und Farbtönen Werke von existentieller Kraft. 


Text: Karen Roth 



ENGLISH


The sculptor and architect Christoph Haerle is actually always concerned with weighting in his more than 30 years of artistic work. The term has two meanings: On the one hand, one thinks of body, volume, that is, geometric; on the other hand, it is about evaluation, assessment and subjective feeling. This field of tension characterizes all of Haerle's works, be it the sculptures, room installations or nail polish pictures. The strict lines and shapes of his works have far less to do with his technical ability and knowledge than with his sense of beauty and sensuality.

By making voluminous sculptures appear light, he triggers a playful uncertainty in the viewer that involves them. The works, for which no narrative is inscribed, evoke very different stories. Concretely, this can be traced in Haerle's concrete sculptures: By first mixing the concrete with one, then with two colors and then "relieving" it with an unstable position, he increasingly decontextualized the material and thus opened a space for associations.

This is also the case with the sculpture “Ganymed's Sister”, which was completed in 2003 and is located on General-Guisan-Quai in Zurich. Anyone who comes from the arboretum gradually approaches the pink bowl, which appears small from a distance and is towering up close and whose color and layer of water simulate lightness, while in reality it weighs 16 tons, suspects something of the profundity of Haerle's work. But actually for him it's about touch, just as a strictly composed fugue by Bach touches him. Just as the one with a system of tones captured creation, Haerle creates works of existential power from geometric bodies and color tones.


Text by Karen Roth